Mücahit Özden Hun

Technologie und Mensch: Angst, Hochmut und ethische Grenzen

Die Menschheitsgeschichte ist auch eine Geschichte der Faszination, Angst und Neuausrichtung des Menschen gegenüber seinen eigenen Werkzeugen, von der Steinaxt bis zur KI.

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Die Menschheitsgeschichte ist nicht nur die Geschichte von Kriegen, Staaten, Religionen und Zivilisationen. Sie ist auch die Geschichte der Faszination, der Angst und des schließlich hergestellten neuen Gleichgewichts des Menschen gegenüber seinen eigenen Werkzeugen. Von der Steinaxt bis zur Druckerpresse, von der Dampfmaschine bis zum Zug, vom Telegraphen bis zum Internet, von der künstlichen Intelligenz bis zu Robotern – jede große Erfindung hat die Beziehung des Menschen zur Welt verändert. Doch im ersten Moment jeder großen Veränderung tauchte immer dieselbe alte Angst wieder auf: „Wird in dieser neuen Welt noch Platz für mich sein?“

Die Sorge, die wir heute angesichts von künstlicher Intelligenz, Robotern und Automatisierung empfinden, mag uns sehr neu erscheinen. Doch die Menschheit erlebt dieses Gefühl nicht zum ersten Mal. Jede große technologische Entwicklung hat in den Menschen ihrer Zeit zunächst eine Erschütterung ausgelöst. Der Mensch befürchtete, dass seine eigene Erfindung ihn eines Tages überflüssig machen könnte.

Die Erfindung des Buchdrucks ist eines der ersten großen Beispiele dafür. Die Druckerpresse war nicht nur eine Maschine zum Drucken von Büchern; sie bedeutete die Vervielfältigung und Verbreitung von Wissen und dessen Entzug aus der Kontrolle alter Autoritäten. Die auf der Manuskriptkultur basierende Welt wurde erschüttert. Kalligraphen, Schreiber, religiöse und politische Autoritäten befürchteten, dass Wissen in jedermanns Hände gelangen könnte. Denn wenn Wissen sich vervielfältigt, vervielfältigen sich nicht nur Bücher; es vervielfältigen sich auch fragende Menschen.

Gutenbergs Druckerpresse machte den Menschen nicht unbedeutend; sie vervielfältigte das Wissen und schuf einen neuen Menschentyp: den Leser und Denker.

Doch die Druckerpresse machte den Menschen nicht unbedeutend. Im Gegenteil, sie schuf einen neuen Menschentyp: den lesenden, schreibenden, kritisierenden, diskutierenden, am öffentlichen Leben teilnehmenden Menschen. Das Wissen entzog sich seinem alten Monopol, aber der Mensch verschwand nicht. Der Mensch machte die Druckerpresse zu einem Teil seiner eigenen Gedankenwelt.

Dann kamen die Maschinen. Mit der Industriellen Revolution begann die menschliche Muskelkraft gegenüber der Maschine zurückzugehen. Handwerker, Weber und Kleinproduzenten empfanden ihre Arbeit als entwertet. Die Frage „Was brauche ich noch, wenn die Maschine produziert?“ wurde zu einer der tiefsten Ängste des Industriezeitalters. Diese Angst war nicht völlig unberechtigt. Einige Berufe verschwanden, einige Leben zerbrachen, einige Menschen blieben außerhalb der neuen Ordnung. Technologie bringt nicht immer nur Möglichkeiten; sie erzeugt auch Leid, Brüche und Ungerechtigkeit.

Aber auch die Maschine machte den Menschen nicht völlig überflüssig. Der Mensch wurde nicht aus der Produktion gelöscht; die Form der Produktion änderte sich. Neue Arbeitsfelder, neue Berufe, neue Klassen, neue Kämpfe um Rechte entstanden. Der Mensch war nicht nur ein Wesen, das der Maschine unterlag; er integrierte die Maschine in die Arbeitsordnung, das Recht und das gesellschaftliche Leben.

Als der Zug erfunden wurde, nahm die Sorge eine andere Form an. Der Zug war nicht nur ein Transportmittel; er veränderte die Bedeutung von Zeit und Entfernung. Früher tagelange Reisen verkürzten sich auf Stunden. Städte, Märkte und Länder wurden miteinander verbunden. Doch die Geschwindigkeit erzeugte auch Angst. Würde der menschliche Körper dieser Geschwindigkeit standhalten können? Würde das alte lokale Leben zerstört werden? Was würden Karawanenführer, Kutscher, Gasthofbetreiber und Straßenhändler tun?

James Watts Dampfkraft öffnete die Tür zur industriellen Revolution; die ersten Lokomotiven definierten Zeit und Raum neu.

Der Zug machte den Menschen nicht unbedeutend; doch er gab dem Menschen ein neues Weltgefühl. Das Ferne war nicht mehr so fern wie früher. Der Mensch definierte die Entfernung neu, ordnete die Zeit neu, baute die Städte neu auf.

Telegraph und Telefon schwächten die Entfernung noch weiter ab. Nachrichten konnten nun nicht mehr Tage oder Wochen später, sondern in sehr kurzer Zeit übermittelt werden. Die menschliche Stimme konnte durch Kabel in eine andere Stadt, in ein anderes Land gelangen. Diesmal war die Sorge: Würde der Mensch nun jederzeit erreichbar sein? Wie würde diese Beschleunigung der Kommunikation Politik, Handel, Krieg und menschliche Beziehungen verändern?

Radio, Kino und Fernsehen veränderten die Beziehung des Menschen zur Masse. Dasselbe Wort, dasselbe Bild und dieselbe Nachricht konnten Millionen von Menschen gleichzeitig erreichen. Dies war eine große Möglichkeit, aber auch eine große Gefahr. Denn Massenmedien konnten den Menschen informieren, aber auch manipulieren; sie konnten aufklären, aber auch täuschen; sie konnten vereinen, aber auch vereinheitlichen. Die Sorge des Menschen in dieser Ära war: „Bilde ich mir meine eigene Meinung, oder halte ich die mir gezeigte Welt für real?“

Das Computerzeitalter, symbolisiert durch Alan Turing, markierte den Beginn einer neuen Ära der Verbindung zwischen menschlichem Geist und Maschine.

Mit dem Computer und dem Internet begann die Technologie nicht mehr nur die menschliche Hand, das Auge, das Ohr und die Entfernung zu berühren, sondern auch die geistige Arbeit. Der Computer rechnete, speicherte, organisierte, schrieb. Das Internet wiederum erleichterte den Zugang zu Informationen in außergewöhnlichem Maße. Doch diesmal begann nicht der Mangel an Informationen, sondern der Überfluss an Informationen den Menschen zu überfordern. Wahrheit und Lüge, Information und Lärm, Idee und Propaganda vermischten sich.

Die sozialen Medien vertieften diesen Prozess noch. Der Mensch wurde nicht mehr nur zum Informationsempfänger, sondern zu einem Wesen, das sich ständig präsentiert, vermarktet, nach Likes sucht und Bestätigung braucht. Die Privatsphäre schwächte sich ab, die Aufmerksamkeit zerfiel. Der Mensch begann, weniger sein eigenes Leben zu leben, als vielmehr ein Leben zu produzieren, das anderen gezeigt werden sollte.

Heute stehen wir vor künstlicher Intelligenz und Robotern. Diesmal ist die Sorge tiefer. Denn frühere Technologien hatten meist die menschliche Muskelkraft, Geschwindigkeit, Transport und Kommunikation verändert. Künstliche Intelligenz hingegen nähert sich dem Bereich des Schreibens, Denkens, Übersetzens, Analysierens, Entscheidens und Produzierens. Roboter werden nicht nur in Fabriken, sondern auch im Gesundheitswesen, in der Landwirtschaft, in der Sicherheit, im Dienstleistungssektor und im Alltag sichtbarer.

Deshalb ist die heutige Frage schärfer: „Wird die Maschine nun nicht nur unsere Hände, sondern auch unseren Verstand ersetzen?“

Stanley Kubricks Film „2001: Odyssee im Weltraum“ ist eines der stärksten Symbole dieser Angst im kulturellen Gedächtnis. HAL 9000 im Film ist nicht nur ein Computer; er ist ein Symbol für die Angst des Menschen, die Kontrolle über die von ihm selbst geschaffene Intelligenz zu verlieren. Tief in der heutigen Sorge vor künstlicher Intelligenz und Robotern liegt dieselbe Frage: Wird der Mensch der Herr seiner eigenen Erfindung bleiben können?

Im Film „2001: Odyssee im Weltraum“ von Stanley Kubrick aus dem Jahr 1968 übernimmt der Computer HAL 9000 die Kontrolle über das Raumschiff. Dies ist in gewisser Weise eines der eindringlichsten Bilder der menschlichen Angst, die Kontrolle über die eigene Erfindung zu verlieren.

Doch die Geschichte erzählt uns auch etwas anderes. Die Menschheit hat sich jeder großen technologischen Neuerung zunächst mit Angst genähert, befürchtet, ihren Platz zu verlieren, doch mit der Zeit hat sie diese Technologie in ihren Alltag, ihre Moral, ihr Recht und ihre Kultur integriert. Keine Technologie hat es bisher geschafft, den Menschen völlig zu entmündigen und eine absolute Macht zu erlangen. Technologie hat einige Rollen des Menschen verändert, einige Berufe abgeschafft, einige Gewohnheiten zerstört, einige Werte herausgefordert; doch sie konnte den Menschen nicht von der Bühne der Geschichte tilgen.

Denn der Mensch ist nicht nur ein Wesen, das Technologie produziert. Der Mensch ist auch das Wesen, das Technologie Sinn verleiht, sie definiert, begrenzt, diskutiert und versucht, sie in einen moralischen Rahmen zu fassen. Wenn eine neue Erfindung auftaucht, entstehen zunächst Erstaunen und Besorgnis. Dann beginnt die Gesellschaft, die Schäden und Möglichkeiten dieser Erfindung zu erkennen. Anschließend treten Ethik, Recht, Philosophie, Politik und gesellschaftliches Bewusstsein in Aktion.

Die Menschheit stellt jeder neuen Technologie dieselben grundlegenden Fragen: Wem dient sie? Wem schadet sie? Innerhalb welcher Grenzen sollte sie eingesetzt werden? Für welche Zwecke sollte sie verboten werden? Welche Werte stärkt sie, welche schwächt sie?

Hier zeigt sich die eigentliche Überlegenheit des Menschen. Der Mensch mag nicht schneller sein als die Technologie. Er mag nicht genauer rechnen können als eine Maschine. Er mag nicht schneller Texte produzieren können als eine künstliche Intelligenz. Er mag nicht unermüdlicher sein als ein Roboter. Doch der Mensch ist das Wesen, das fragen kann: „Ist das richtig?“, „Ist das gerecht?“, „Ist das menschlich?“, „Wer übernimmt die Verantwortung dafür?“ Technologie verarbeitet; der Mensch sucht nach Sinn. Technologie erzeugt Ergebnisse; der Mensch denkt über die moralischen Kosten der Ergebnisse nach.

Deshalb kann keine technologische Entwicklung oder Revolution den ethischen und philosophischen Rahmen, den die Menschheit über Tausende von Jahren entwickelt hat, vollständig verlassen. Sie fordert ihn höchstens heraus, erschüttert ihn, erweitert ihn und zwingt uns, neu darüber nachzudenken. Die Atombombe zwang die Menschheit, die Moral des Krieges neu zu überdenken. Das Internet eröffnete die Diskussion über Privatsphäre und Wahrheit neu. Künstliche Intelligenz zwingt uns heute, Arbeit, Kreativität, Verantwortung, Menschenwürde und Entscheidungsbefugnis neu zu diskutieren.

Technologie kann der ethischen Welt der Menschheit nicht entkommen. Denn Technologie hat kein eigenes Gewissen. Der Mensch macht sie zum Kriegswerkzeug, aber auch zum Heilmittel. Der Mensch macht sie zum Überwachungssystem, aber auch zur Bildungsmöglichkeit. Der Mensch macht sie zum Manipulationsmittel, aber auch zum Mittel, um zur Wahrheit zu gelangen. Deshalb ist die eigentliche Frage nicht, wie weit die Technologie fortgeschritten ist, sondern in welchem Wertesystem der Mensch sie einsetzt.

Es gibt noch eine weitere Wahrheit: Jede technologische Entwicklung schafft auch eine neue Generation, die sich schnell an sie anpasst. Diese Generation nutzt die neue Technologie leichter als frühere Generationen. Im Zeitalter des Buchdrucks hatten diejenigen, die an gedruckte Texte gewöhnt waren, einen Vorteil gegenüber Menschen der mündlichen Kultur. Im Industriezeitalter übertrafen diejenigen, die die Maschine lernten, die alte Welt des Handwerks. Im Computerzeitalter ließen diejenigen, die digitale Werkzeuge nutzten, diejenigen hinter sich, die am Papier festhielten. Im Zeitalter des Internets und der sozialen Medien begannen die in die digitale Welt hineingeborenen Generationen, frühere Generationen als langsam, alt und ungeschickt anzusehen.

Auch heute bewegt sich eine Generation, die das Internet, die sozialen Medien, die Roboterwelt und die künstliche Intelligenz gut nutzt, mit großem Selbstvertrauen. Mancherorts verachtet sie sogar mit hochmütiger Haltung die Generationen vor ihr. Doch dieser technologische Hochmut ist vergänglich. Denn Technologie verleiht keiner Generation eine dauerhafte Überlegenheit. Der digitale Ureinwohner von heute kann der technologische Fremde von morgen sein. Die Generation, die heute künstliche Intelligenz leicht nutzt, kann morgen dieselbe Überraschung angesichts einer anderen Technologie erleben, deren Namen wir noch nicht kennen.

Jede Generation empfindet die vor ihr liegenden als unzureichend angesichts der Technologie; doch schon bald erlebt sie dasselbe Gefühl der Unzulänglichkeit in der Welt der nach ihr kommenden. Deshalb sollte technologische Kompetenz dem Menschen nicht Hochmut, sondern Bescheidenheit verleihen. Denn keine Generation lebt am Endpunkt der Technologie. Jede Generation ist nur ein temporärer Nutzer ihrer eigenen Zeit.

Deshalb ist die eigentliche Notwendigkeit angesichts der Technologie nicht, die sich ständig ändernden Werkzeuge anzubeten, sondern die unveränderlichen menschlichen Werte zu bewahren. Geschwindigkeit ist wichtig, aber Weisheit ist wichtiger als Geschwindigkeit. Daten sind wichtig, aber Wahrheit ist tiefer als Daten. Effizienz ist wichtig, aber Gerechtigkeit ist wertvoller als Effizienz. Künstliche Intelligenz ist mächtig, aber sie hat kein Gewissen. Der Roboter wird nicht müde, aber er hat kein Mitgefühl. Der Algorithmus kann Entscheidungen vorschlagen, aber er kann keine Verantwortung tragen.

Was die Menschheit menschlich macht, ist nicht nur die Fähigkeit zu erfinden. Was die Menschheit menschlich macht, ist der Mut, die eigene Erfindung zu hinterfragen. Es reicht nicht zu sagen: „Wir können das tun.“ Man muss fragen: „Sollten wir das tun?“ Technologie ist die Sprache der Möglichkeit; Ethik ist die Sprache der Grenze und der Verantwortung.

Die Angst, die wir heute angesichts von Robotern und künstlicher Intelligenz erleben, ist eigentlich mehr eine Angst des Menschen vor sich selbst als vor der Technologie. Wenn der Mensch seine ethischen Werte, sein Rechtsbewusstsein, seine philosophische Tiefe und seine gewissenhafte Verantwortung bewahrt, kann die Technologie weiterhin dem Menschen dienen. Verliert der Mensch jedoch diese Werte, kann selbst die fortschrittlichste Technologie nicht mehr Diener, sondern Herr der Menschheit werden.

Letztendlich ist die Frage: Technologie zerstört den Menschen nicht; doch wenn der Mensch sein moralisches Zentrum verliert, schrumpft er angesichts der Technologie. Von der Druckerpresse bis zum Zug, vom Telegraphen bis zum Fernsehen, vom Computer bis zum Internet, von der künstlichen Intelligenz bis zu Robotern lehrt uns der gesamte historische Prozess dieselbe Lektion. Der Mensch hat sich jeder neuen Erfindung zunächst gefürchtet, dann verstanden, definiert, diskutiert und in sein Leben integriert.

Deshalb ist es auch heute nicht angebracht, sich blind vor Robotern, künstlicher Intelligenz oder neuen Technologien zu fürchten. Das eigentliche Ziel ist es, sie im Rahmen des jahrtausendealten ethischen und philosophischen Erbes der Menschheit zu verstehen, zu kontrollieren und so zu lenken, dass sie der Menschenwürde dienen.

Denn egal wie weit die Technologie fortschreitet, die größte Frage der Menschheit wird sich nicht ändern: Werden wir stärkere Maschinen bauen oder eine gerechtere, bewusstere und menschlichere Welt schaffen?

Die Zukunft des Menschen wird nicht von der Macht der Roboter bestimmt, sondern von der Fähigkeit des Menschen, sein eigenes Gewissen zu bewahren.

Mit freundlichen Grüßen. Mücahit Özden Hun

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شۆڕشی ١٩٠٥ و ناپلیۆنێک لە یەریڤان

شۆڕشی ١٩٠٥ و ناپلیۆنێک لە یەریڤان

ساڵی ١٩٠٥، ساڵێکی پڕ لە گۆڕانکاری بوو بۆ ڕووسیای قەیسەری، کە تێیدا ئیمپراتۆرییەتەکە لە دەرەوە و ناوەوە تووشی شڵەژان ببوو، ئەمەش بووە هۆی سەرهەڵدانی شۆڕشی ١٩٠٥ و نانەوەی ئاژاوە لە قەفقاسی باشوور، بەتایبەتی لە یەریڤان، کە تێیدا شازادە لویس بۆناپارت، نەوەی ناپلیۆن، نێردرا بۆ گێڕانەوەی ئاسایش.

Mücahit Özden Hun